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Eine traditionelle deutsch-japanische Shinto-Hochzeit in Japan

Einmal um die halbe Welt reisen. Halle–Tokio. Eintauchen in eine neue Kultur und in eine unbekannte Hochzeitszeremonie. Christliches Abendland–shintoistisches Morgenland. Wahrwerden einer spontanen Idee, eines Traumes. So kam es, dass mich Nancy & Aki für eine Woche nach Japan einfliegen ließen, damit ich am 21. März 2015 ihre japanische Hochzeit in der Nähe von Tokio begleiten konnte.

Der Tag begann für uns bereits um 6 Uhr morgens. Frühstücken, Photorucksack schnappen und ab durch Tokio bis nach Ebina (Präfektur Kanagawa). Keine Zeit für einen Jetlag. Im Friseursalon wurden Nancys Haare traditionell hochgesteckt und der weiße Hochzeitskimono mit vielen Schichten, Schnüren und Schleifen angekleidet.

Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-27773Japan- Nancy & Aki © Anne Hornemann-2966Zwischen Friseur und Zeremonie ein Moment der Innigkeit, wie ich ihn liebe. Die erste Begegnung. Zeit zu zweit. Der Bräutigam trägt einen Hosenanzug (Hakama). Der Raps steht in voller Blüte. Die Kirschblüten erwachen sehr langsam. Die Erdbeersaison ist eröffnet. Zwischen den Bambusblättern versinken die beiden und tanken für die Trauung im Shinto-Schrein auf.

Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-3034Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-3053-2An den Shinto-Schreinen hängen kleine Holztafeln mit Glückswünschen, die auf die Rückseiten geschrieben werden. Wir befinden uns im Jahr des „Schafes“. Bevor der Schrein betreten werden kann, waschen sich alle Gäste rituell die linke, dann die rechte Hand und anschließend den Mund mit klarem Wasser.

Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-2992Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-3184Japan- Nancy & Aki © Anne Hornemann-062Japan- Nancy & Aki © Anne Hornemann-3193Im Shinto-Schrein wird es durch die vielen Familienmitglieder und Freunde sehr kuschlig. Die Schuhe bleiben draußen und auf Socken schlüpft man in den Zeremoniebereich. Es ist recht dunkel drinnen. An der Decke ziert eine bedeutende Holzkunst mit einem Drachenmotiv den Raum. Alle lauschen gespannt der Zeremonie. Der Oberpriester (guuji) schwenkt Zweige eines heiligen Baumes, um die Götter milde zu stimmen und den Raum zu reinigen. Zentraler Mittelpunkt der Hochzeitszeremonie ist das gemeinsame „Sake-Reiswein-Trinken“. Die Priesterin schenkt dem Brautpaar in insgesamt drei kleine Schalen Sake ein, aus denen es abwechselnd jeweils dreimal trinkt als Symbol der Vereinigung. Sie werden vom Oberpriestern „gesegnet“ und tragen auf japanisch einen gemeinsamen Schwur vor, den sie unterzeichnen (Hochzeitsurkunde). Eine große Trommel wird durch den Priester zum Klingen gebracht und schafft eine atemraubende Stimmung. Als Dank werden den Göttern Opfergaben in Form von Blättern dargebracht. Dazu verneigen sich das Brautpaar und später auch die Eltern vor dem Shinto-Altar und klatschen nach einer bestimmten Abfolge die Hände.

Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-13357Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-158Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-253Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-318Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-344Nach den Gruppenbildern mit allen Gästen geht es in den Feiersaal. Dazu werden erneut alle Schuhe verlassen und gegen Schlappen eingetauscht. Sehr gemütlich! Nach einigen Reden und Glückwünschen wird das Sakefass symbolisch angeschlagen, der Reiswein an die Gäste in quadratischen Schalen verteilt, untereinander weitergereicht und angestoßen. Das Festessen besteht aus leckeren Sushihappen und weiteren japanischen Köstlichkeiten, die in Schalen an den Plätzen serviert werden. 8Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-531Japan - Nancy & Aki © Anne Hornemann-522913

Die eigentliche Party, zu der nur Freunde eingeladen sind, findet einen Tag später in einem Restaurant in Tokio statt. Hier trägt die Braut immer ein neues Kleid (deutsche Trauung). Die Stimmung ist fantastisch. Es wird viel gelacht, angestoßen, erzählt und lecker gespeist. Die Hochzeitstorte wird von Nancy & Aki traditionell wie wir es nach deutschem Brauch kennen angeschnitten und verkostet. Freunde der beiden tragen Lieder und Gedichte vor. Als größte Überraschung des Abends gibt es ein Video über den lustigen Entstehungsprozeß von Akis Geschenk für Nancy – eine selbstgenähte Lehrer-Ledertasche für die  Universiät, an der sie unterrichtet. Was für ein einzigartiges Hochzeitsgeschenk!

Liebe Nancy und lieber Aki, es war mir eine große Ehre euch und eure Familien an diesen beiden Tagen zu begleiten und hat mir riesig Spaß gemacht mit euch zu lachen!

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